Als wir Vegas abgeholt haben, konnte er mit etwas Unterstützung wieder aufstehen und langsam gehen. Wir pflegten und päppelten Vegas mit selbstgekochtem Futter auf. Er wurde unserem Tierarzt vorgestellt, und nun konnte nach einer Blut- und Kotuntersuchung mit der dringend notwendigen Weiterbehandlung begonnen werden. Vegas erholte sich langsam und machte von Tag zu Tag Fortschritte. Die kleinen Spaziergänge im Wald und auf den Wiesen ließen ihn förmlich aufblühen. Er nahm wieder am Leben teil. Schnuppern hier und da, Interesse an netten Hundedamen, freudiges, wenn auch leises Bellen, Schwanzwedeln, genüßliches Grunzen beim Ohrenkraulen und Pföteln, damit man ja nicht mit dem Streicheln und Kraulen aufhörte. Die Hoffnung war groß, dass Vegas es schafft und noch viele gute Wochen und Monate, vielleicht sogar auch Jahre vor ihm lagen.
Doch dann kam der große Einbruch. Wieder totale Schwäche, Zittern, Futterverweigerung, verschlechterte Blutwerte. Doch das allerschlimmste, wo waren die leuchtenden Augen der vergangenen Tage geblieben? Der Tierarzt versuchte alles, doch es trat keine Besserung mehr ein und Vegas musste erlöst werden.
Den 80jährigen Mann, keineswegs ein klappriger Opa, sondern ein sehr, sehr rüstiger Mann, der seinen Hund bewusst hat sterben lassen wollen, haben wir angezeigt. Ob etwas dabei herauskommt wird sich zeigen. In einem Zeitungsartikel durfte der Name des Mannes nicht einmal abgekürzt genannt werden, wegen der Persönlichkeitsrechte! Aber wo bleiben die Rechte der Tiere? Ach, ich hatte vergessen, Tiere sind ja nur Sachen!!!!
Hagen, im November 1999 (I. Platner)