1995  bat  uns  ein  alleinerziehender  Vater  von  drei  Kindern  um  Hilfe  bei  der Übernahme  von  fünf  alten  Schäferhunden, die er von Bund, Polizei und Bundesgrenzschutz erhalten hatte. Da seine Frau ihn  verlassen  habe,  müsse  er Haus und Grundstück aufgeben und sich von den Tieren trennen.
Wir  versuchten  erst  einmal,  über  Anzeigen  geeignete  Tierfreunde  zu  finden, um  die  Hunde  gleich  vom  alten  ins  neue  Zuhause  vermitteln  zu  können. Dies misslang. Daher  kamen  die  Hunde  in  unsere  Pflegestellen, wo sie lange saßen. Eine alte Hündin kam erst Ende 1999 in ihr neues Zuhause.
Der Mann versprach  damals, nie wieder mehr als einen Hund zu halten. Wir kontrollierten in  unregelmäßigen Abständen bei ihm und sahen dort Anfang 2000 auch nur den sehr alten  Schäferhundrüden von damals, der im Haus gehalten wurde.
Am  vergangenen  Mittwoch  rief  mich  die  geschiedene  Ehefrau  an  und erklärte, ihr Exmann läge für längere Zeit im Krankenhaus. Es sei ihr unmöglich, für die noch vorhandenen acht!! Schäferhunde zu sorgen, die er wieder besäße. Sie führte uns auf eine angepachtete Weide, (von der wir bisher nichts wussten!), wo die  Tiere unter Müll und Schmutz in absolutem Elend saßen. Sie waren verwahrlost, krank und halb  verhungert.  Eine junge Schäferhündin besteht nur noch aus Haut und Knochen, eine weitere Hündin ist auf einem Auge  blind.
Mit großem Einsatz konnten wir sieben Hunde retten. Sie hatten zum Schluss nur  noch das verdreckte Stroh und den eigenen Kot gefressen. Es ist ein Bild des Jammers! Ich glaube, dass  es  Monate dauern wird, um diesen Tieren wieder Vertrauen und Substanz zu geben.
Das allerschlimmste Schicksal hatte ein großer schwarzer Schäferhundrüde,  8 Jahre alt, den sich der Mann vor einem halben  Jahr wieder vom Bundesgrenzschutz geholt hatte. Dieses Tier bewachte bei der Behörde ein großes  Gelände, bis es ausgemustert wurde. Der Rüde konnte schon damals nur mit Betäubungsmitteln und Maulkorb überhaupt abtransportiert  werden. Seither fristete der Hund, der es gewohnt war, ständig zu laufen und zu  bewachen,  in einem engen Verschlag sein Leben. Der neue Besitzer konnte ihn weder anfassen noch aus der  behelfsmäßigen Unterkunft herausholen. Das Tier drehte mit der Zeit völlig durch und wurde auf  Grund  der  Entbehrungen hochaggressiv. Es gab für uns keine Möglichkeit, an den Hund heranzukommen. Nach Rücksprache  mit den Ordnungsbehörden und dem Veterinär gelang es schließlich, die total abgemagerte Kreatur  mit  einer Betäubungsdosierung für 200 kg !! einzuschläfern.
Dem Besitzer, mittlerweile Sozialhilfeempfänger, entstehen weder Kosten noch droht eine Strafe, da ein  Entmündigungsverfahren eingeleitet wurde.
Für mich ist es unbegreiflich, wie der Bundesgrenzschutz ausgemusterte, aggressive Hunde an  Normalbürger ohne Vorkontrolle abgeben kann. Wir werden dieser Angelegenheit auf jeden Fall nachgehen. Auf den Kosten für die restlichen Hunde, die noch am Wochenende gründlich untersucht wurden, bleiben wir sitzen.  Die Gemeinde fühlt sich nicht zuständig, und von dem Besitzer ist nichts zu holen.

(Bärbel Lohmann)
SCHÄFERHUNDE IM MÜLL
Alle befreiten Schäferhunde konnten, nachdem sie medizinisch versorgt und aufgepäppelt waren, an liebe Familien vermittelt werden. Als letzte fand die Hündin Senta, die durch einen vorstehenden Draht ein Auge verloren hatte, durch „Tiere suchen ein Zuhause" über Collie in Not e. V. liebe Menschen.

(Fotos: Klaus Koopmann)
20.10.01