Hallo, hier ist Arantxa. Ich wollte mich doch einmal wieder bei euch melden. Kennt ihr mich eigentlich noch? Ich war lange Zeit unter der Rubrik Sorgenkinder suchen ein Zuhause abgebildet, aber leider, oder Gott sei Dank, meldete sich niemand. Aber jetzt gehöre ich endgültig in die Rubrik: Wir waren Sorgenkinder.
Geboren wurde ich in Andalusien, in der Nähe von Marbella. Von der Kindheit gibt es nicht viel zu berichten, bzw. ich habe sie verdrängt. Irgendwann, vor einigen Jahren wanderte ich nach Deutschland aus, da es dort den Tieren besser gehen sollte als in Spanien. Über Umwege landete ich dann in der CiN-Villa bei Margit und Klaus. Allerdings bereitete ich ihnen große Sorgen. Ich hatte Angst vor allem. Die Umwelt und die Zweibeiner! Alles Feinde und ich verkroch mich nur. An Vermittlung war nicht zu denken. In bester Absicht brachte mich Klaus dann in eine Stadt im Ruhrgebiet, wo sich eine Tiertherapeutin um mich kümmern sollte. Was dort geschah, vermag ich nicht zu erzählen. Geholfen wurde mir nicht. So kam ich dann zu Margit und Klaus zurück und diese beiden bemühten sich sehr um mich. Aber meine Angst war sehr groß. Lediglich zu Margit fasste ich im Laufe der Zeit etwas Vertrauen, so dass ich mich von ihr streicheln ließ, was ich auch sehr genoss.
So verging die Zeit. Untergebracht war ich in einer kleinen Wohnung mit Semren und Surya. Bis auf die störenden Zweibeiner, ausgenommen Margit, fühlte ich mich einigermaßen wohl, aber die Sehnsucht nach einem eigenen Zuhause wuchs täglich in mir. Aber trotz aller Bemühungen, Margit und Klaus und der Verein fanden keinen Interessenten. Zudem war es nicht möglich, mir einen Schultergurt umzulegen, so dass ich an eine Leine konnte, was schon eine Vermittlung ausschloss.
Dann kam der 22. November 2006. Dieser Tag sollte mein Schicksal ändern, nur wusste ich es noch nicht. Ich bekam in meiner Wohnung Besuch von einem Zweibeiner. Dieser setzte sich einfach auf meine Decke, ohne mich vorher zu fragen. Unverschämt, empfand ich. Dann sprach er ständig mit mir. Was wollte er nur? Er musste doch merken, dass ich seinen Besuch als unangenehm empfand und Angst hatte. Dann hielt er mir etwas in der Hand hin. Nein, danke, auf den Trick falle ich nicht herein.
Aber was machte da meine Wohnungsnachbarin Semren? Die ging doch tatsächlich, obwohl selber ein Angsthase, zu ihm hin und nahm ihm das Teil aus der Hand. Dann fraß sie es auch noch. Es musste doch sehr lecker sein, denn sie forderte mehr. Also, so geht das nicht, schließlich gehöre ich mit in die Wohnung. Ganz langsam und vorsichtig ging ich auch zu dem Zweibeiner und roch an seiner Hand und dem Teil darin. Es war tatsächlich etwas ganz Leckeres. Ich nahm es und war begeistert. Nun, die Angst vergessen und mehr davon! So begab ich mich zu dem Zweibeiner und bekam immer mehr Leckerchen. Dabei streichelte mich der Mann, was sehr angenehm war. Ganz vorsichtig legte er mir dabei einen Schultergurt an. Es war gar nicht unangenehm und zudem, die Leckerchen waren wichtiger. Leider verließ mich der Zweibeiner nach einiger Zeit. Ich schaute ihm traurig hinterher, aber dieses schien ihn nicht zu berühren. Schade, mit dem wäre ich mitgegangen.
Am folgenden Morgen herrschte große Aufregung in der CiN-Villa und noch mehr Stress bei mir. Schon sehr früh wurde ich geweckt und Margit brachte mich zu einem großen Auto mit mehreren Boxen drin. Ich musste in eine Box steigen, dann wurde dir Tür geschlossen. In den anderen Boxen waren Leidensgenossen, ebenfalls aus der Villa. Was hatte ich falsch gemacht, dass ich nun fortgebracht wurde? Trotz aller Überlegungen fiel mir nichts ein. Sehr traurig und noch mehr vor Angst kroch ich in die hinterste Ecke der Box.
Nach einer für mich endlos langen Fahrt hielt das Auto, die Türen öffneten sich und ich sah eine große Wiese, mehrere Gebäude und viele Zweibeiner. Oh Schreck! Meine Leidensgenossen wurden aus den Boxen genommen und durften mit den Zweibeinern auf der Wiese spazieren gehen. Nur ich war noch im Auto. Was sollte mit mir passieren?
Dann, ich traute meinen Augen nicht, kam der Zweibeiner von gestern auf meine Box zu. Wie kam er denn hierhin? Mit großen Augen, voller Angst, Hoffnung und auch Freude sah ich ihn an. Der Zweibeiner öffnete die Box und trug mich heraus. Dann kam ich an eine Leine und ein zweiter Zweibeiner, es war wohl eine Frau mit langen Haaren, führte mich auf der Wiese spazieren. Sie war auch sehr lieb zu mir und kümmerte sich ausschließlich um mich. Aber mein Blick suchte immer wieder den Zweibeiner von gestern. Ab und zu sah ich ihn, aber dann verschwand er wieder in einem Gebäude.
Dann kam Aufregung in unsere Gruppe. Wir mussten zu einer Eingangstür und dort in einer vorher bestimmten Reihenfolge antreten. Meine neue Freundin und ich waren ziemlich am Schluss.
Als wir dann in die Tür treten durften, musste ich mich erst einmal an die neue Umgebung gewöhnen. Was sah ich da? Große Scheinwerfer strahlten, da waren Kameras aufgebaut, ein Regiepult und viele, viele Menschen, welche geschäftig hin und her rannten.
Aber was ich dann sah, erfreute mein ängstliches Herz: Mein Zweibeiner saß auf einem Strohballen vor den Kameras und neben ihm eine nette Frau. Die beiden unterhielten sich und schauten dabei ab und zu in die Kameras. Jetzt durfte ich zu meinem Zweibeiner hin. Was freute ich mich! Er beachtete mich wieder. Er unterhielt sich mit der Frau über mich und schilderte meinen Kurzlebenslauf. Was sollte das? Wollte mich der Zweibeiner wieder loswerden und evtl. vermitteln?
Nein, das durfte nicht sein! Wie konnte ich ihm dieses verständlich machen? Meine Sprache verstand er nicht, aber vielleicht......
Ich stieg somit einfach, während die Kameras liefen, mit meinen Vorderpfoten auf seine Beine und drückte mich an ihn. Dies bemerkte auch die Frau neben ihm und sagte plötzlich: Ich glaube, Arantxa hat sich ihr neues Zuhause schon selber ausgesucht.