Heute bin ich ein glücklicher Hund
Hi, ich bin die Angy und muss euch sagen, für mich weihnachtet es dieses Jahr das erste Mal richtig. Am 28.06.2002 kam ich zur Probe zu meinem neuen Frauchen, und dieses war sogar, extra wegen mir, eine Woche lang jeden Tag über 70 km zum Tierheim gefahren, hat sich drei Stunden in meinen Zwinger gesetzt, da ich ja so fürchterliche Angst vor jeder menschlichen Bewegung hatte. Sie kam und siegte. Am 28.06.2002 durfte ich dann endlich mit. Ich hatte ja so ganz still und heimlich schon die ganze Zeit darauf gewartet, sie roch so lecker nach noch einem anderen Hund, und dieser Geruch teilte mir die ganze Zeit mit, der andere Hund ist glücklich, und nur aus diesem Grund legte ich am ersten Tag, als sie in meinem Zwinger war, meinen Kopf auf ihre Hand. Aber ihr dürft euch nicht täuschen, ich habe sie trotzdem immer wieder mal angeknurrt und angefletscht, damit sie nie vergisst, dass ich ja auch beißen könnte. Getan habe ich dies natürlich nicht, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht, das hatte ich in meinem Leben ja schon erfahren.
Also, was soll ich euch sagen, ich kam also nach Hause. Es war total toll. Ich durfte direkt überall frei herumlaufen, hab mich überall erst einmal einparfümiert, sprich, nichts war vor meinem Körper sicher, alles musste ich in meinem Fell aufnehmen. Als Dank dafür habe ich nie in die Wohnung gemacht, obwohl ich ja nur ein Straßenhund und Tierheimhund gewesen war und dann noch eine Zeitlang in einem dunklen Loch gewohnt habe.
Es ist in den wenigen Monaten so viel passiert, ich kann euch gar nicht sagen, was ich vorher alles nicht erlebt habe. Ich kannte nichts, wusste nichts und traute mich auch nichts. Nun Frauchen und Yusper (dies ist mein Kumpel, der schon ein recht alter Opa von 14,5 Jahren ist) haben mir so viel in meinem neuen Leben gezeigt. Ich fahre leidenschaftlich gerne Auto - die Gefahren sind dann weit weg - und gehe noch lieber spazieren. Am besten ist jedoch, wenn wir in die Reithalle fahren und ich mit den anderen Hunden (vor denen ich natürlich auch erst mal große Angst hatte) spielen kann. Und, stellte euch vor, im Reitstall gibt es noch viel größere Tiere. Frauchen sagt, dies sind Pferde. Eigentlich sehen sie ja aus wie zu große Hunde, aber sie sind schon ein wenig furchteinflößend. Yusper erzählt immer, wenn Frauchen ihn mitnahm, haben sie ganz tolle Touren durch die Felder gemacht. Dazu kann ich mich aber noch nicht entschließen
Auch habe ich entdeckt, dass das Schwimmen eine ganz tolle Sache ist. Nur, im Augenblick ist es ziemlich kalt, und ich mag nicht, aber der Sommer wird schon wieder kommen. Dieser Tage war es so kalt, dass die Wiese ganz weiß gefroren war, da habe ich erst mal ganz doll gestaunt. So etwas aber auch.
Und was noch besser ist, wir haben überall eine Liegefläche, können in den Garten rein und raus. Wenn Frauchen mal nicht da ist, steht die Tür offen und wir können dann auch raus. Supergut find ich das.
Wenn Frauchen Yusper badet, schreie ich ganz fürchterlich. Frauchen versteht mich da gar nicht. Und wenn Yusper dann endlich wieder aus der Wanne kommt, guck ich erst mal nach, ob noch alles an ihm dran ist. Also, ich kann euch sagen, es ist noch alles da. Ich habe mich 100mal versichert, und so langsam höre ich - denke ich mal - mit meinem Geschrei dann auf. So ganz geheuer ist mir die Sache aber noch nicht.
Yusper zeigt mir gerade, wie man wachen muss. So langsam verstehe ich die Sache. Wusste ich gar nicht, dass mein sein Heim verteidigen muss. Wenn Besuch kommt freut, Yusper sich, ich gehe aber lieber noch mal in meine Ecke und pass nur auf was da so passiert. Aber den Besuch kenne ich schon, und von manchem lasse ich mich auch mal streicheln. Die Menschen sind dann immer so glücklich.
Frauchen bringt mir auch so komische Sachen wie Komm, Sitz, Platz, Bleib, bei Fuß und so bei. Loben lass ich mich ja dafür nicht, sprich so Leckerlis annehmen. Aber wenn wir es einige Male geübt haben, tue ich es ihr zum Dank. Sie ist dann immer ganz stolz. Und so gibt es viele, viele Dinge die ich gelernt habe. Meine Beinchen tun - ihr glaubt es nicht - überhaupt nicht weh. Ich kann 2-3-4 Stunden, je nachdem wie fit der Yusper ist, spazieren gehen, und mit den anderen Hunden rumtollen ist für mich auch kein Problem.
Nun aber Schluss. Grüßt alle meine Kumpels aus der Türkei die bei euch sind. Ich hoffe, sie finden auch so nette Leute die ihnen viel, viel Zeit lassen, denn hin und wieder habe ich immer noch mal Angst. Ob das je weggeht, weiß ich noch nicht.
Sagt mal, der Marcus bei Euch, kenne ich den?? Ist der aus dem Tierheim in Istanbul?? Und wenn ja, verträgt der sich mit einem alten Hund, oder muss er dann den Chef herauskehren?? Darüber überlegt Frauchen ständig. Vielleicht gebt ihr Frauchen ja eine Antwort darauf?? Fände ich supertoll.
Also ein paar Bildchen von mir im Anhang und alles alles Gute Euch allen.
Angy
Wir haben Angy noch nicht kennen gelernt, aber wir bringen ihren Bericht gerne auf unserer Seite, in der Hoffnung, vielen anderen Menschen Mut zu machen, einem Hund aus einem der südlichen Länder ein Zuhause zu geben.