ANJULI
Liebe Familie Koopmann. meine lieben Geschwister, liebe Freunde,
ich möchte Euch heute einen kurzen Bericht über mein bisheriges Dasein geben.
Als ich 10 Wochen alt war, sollte ich zu meinen neuen Menschen. Na gut, ich hatte sie mir nicht ausgesucht, aber in meiner Situation nimmt man, was man bekommt. Es muss ja auch nicht immer das schlechteste sein.
Mein bisheriger „Mensch“ Klaus Koopmann setzte mich also mit meiner Schwester in sein Auto, um mich nach Salzgitter zu bringen. Ich glaube, er hat das Autofahren bei Michael Schumacher gelernt. ( - Falsch, Anjuli, eher umgekehrt!! - )
Ich habe es ganz gut überstanden, aber meine Schwester wurde im Verlauf der Fahrt grün um die Nase. Na, das Ergebnis könnt Ihr Euch sicher vorstellen. Mein erster Auftritt in Salzgitter war entsprechend. Handwäsche bei 30° und anschließend leicht anschleudern, dann war mein Anzug wieder wie mit Perwoll gewaschen.
Die Familie, in die ich kam, hatte schon eine Dackeldame im Hause, Fräulein Carlotta von Bödefeld. Ein Jahr älter als ich, aber noch ganz rüstig. Zunächst schaute ich etwas dumm aus der Wäsche, aber was will man bei einer geborenen „vom Tierheim“ auch anderes erwarten.
Schnell hatte ich mich eingelebt und vertrug mich auch mit den beiden Katzen des Hauses. Von den Ohrfeigen, die mir Frau Katze verpasste, spreche ich nicht weiter, der Auftritt war peinlich genug.
Zunächst durfte ich im Schlafzimmer vor dem Bett meines neuen Herrchens schlafen, aber Ihr kennt sicher alle die Tricks, durch die man es schafft, auch mal auf das Bett zu gelangen. Nach kurzer Zeit hatte ich es auf jeden Fall geschafft und durfte mich auf Herrchens Füße legen, was ich auch heute noch sehr gern mache.
Durch meine Freundschaft zu Carlotta hatte ich sehr schnell gelernt, dass es besser ist, sich zu melden, wenn man mal raus muss. So habe ich es geschafft, meine Menschen nicht durch Häufchen oder Bäche zu verärgern. Auch, dass ich an der Straße sitzen bleiben muss, bis mein Herrchen mir sagt „geh voraus“, habe ich schnell begriffen.
Sonst lässt mich mein Herrchen in Frieden. Auf Pfiff habe ich zu kommen (sonst grummelt er mit mir). Mit der Hündin der Tochter meines Herrchens, sie heißt Inka von der Alb (auch so ein Adelsgesocks aus dem Tierheim Reutlingen), vertrage ich mich sehr gut, wenn sie mal bei uns zu Besuch ist. Von meiner Freundin habe ich auch das Schwimmen gelernt. Ich habe in der Umgebung sehr viele neue Freunde gefunden. Mit den meisten verstehe ich mich blendend, aber es gibt auch einige Stinkstiefel dabei.
Im letzten Jahr war ich im Urlaub an der Ostsee. Ich habe es sehr genossen. Das Wasser hatte eine angenehme Temperatur, so dass ich ausgiebig schwimmen konnte. Nach dem Urlaub ging es mir dann an den Kragen, oder besser gesagt an den Bauch. Ich wurde kastriert, was immer das auch sein mag, ich habe es überlebt. Inzwischen geht es mir aber wieder sehr gut, und ich übe mich im Bergsteigen. Auf der Sessellehne lauf ich schon im Schlaf. Na, mal sehen, vielleicht fahren wir in diesem Herbst in den Thüringer Wald, wo ich dann schon mal das Laufen im Mittelgebirge üben kann.
So, meine Lieben, für heute soll es das gewesen sein, haltet Euch immer schön geschmeidig. Ein besonderer Gruß noch an meine Freundin Lady. Es grüßt Euch alle,
Anjuli Prötter